Interstellar

Interstellar (2014)

Keine Liebesgeschichte und keine Fledermäuse. Christopher Nolan bricht zu den Sternen auf und beschert den Zuschauern einen dreistündigen Science-Fiction-Epos, auf den sie eigentlich schon immer gewartet haben. Abgesehen von dem Überraschungserfolg Gravity und den guten Star Trek Reboots ist das in gewisser Weise auch Pionierarbeit in Hollywood. Weg von David S. Goyer und Warner Bros., hin zu Paramount, dessen Logo passenderweise die Sterne enthält.

In der nahen Zukunft geht es mit der Menschheit zu neige, die Erde verändert sich und nimmt den Menschen die Grundlagen zur Ernährung. Der Klimawechsel dezimierte die Bevölkerung und raubte ihr einen Teil ihrer Technologie. Cooper, einst Pilot bei der NASA, lebt zusammen mit seiner Familie auf einer Farm und hat seinen Platz in der Gesellschaft eingenommen, die sich nur noch als Verwalter sieht und auf bessere Zeiten hofft. Durch einen Zufall trifft Cooper einen alten Freund und erfährt vom Projekt Lazarus, die letzte Hoffnung der Menschheit. Zusammen mit drei anderen Astronauten soll Coop als Pilot an Bord des Raumschiffs Endurance zu einer gefährlichen Mission aufbrechen.

Der Cast des Films liest sich wie eine Wunschliste, selbst die Nebenrollen sind fast durchweg mit bekannten Gesichtern besetzt. Mit Michael Caine und Anne Hathaway sind allerdings nur zwei alte Nolan Hasen mit dabei. Charakterdarsteller Matthew McConaughey ist wohl in so gut wie jedem Film die Idealbesetzung, in Interstellar gibt seine Figur dem Film die nötige emotionale Tiefe und trägt die Geschichte mit. Auch im Zusammenspiel mit einer meiner Lieblingsschauspielerinnen, Jessica Chastain.

Visuell liefert Interstellar wunderschöne Bilder aus dem Weltraum, wie oft sieht man schon den Saturn mit seinen Ringen. Neben dem Gasriesen vermitteln einem ein im Verhältnis winziges Raumschiff und die schwachen Strahlen unserer Sonne eine beeindruckende Räumlichkeit in den Weiten des Alls. Es heißt, dass man im Sci-Fi-Genre nichts Neues mehr erfinden kann, insofern sind gewisse Ähnlichkeiten zu Stanley Kubricks 2001: A Space Odyssey auch positiv zu sehen. Passend zur ungefähren Zeitangabe ist die Technik im Film auch eher realistisch gehalten. Zumindest das Design der Roboter wirkt erfrischend und das Humormodul der Maschinen sorgt für den ein oder anderen Lacher.
Bei der Musik zeigt Hans Zimmer wieder einmal seine Vielseitigkeit. Ein intensiver Themesong, dramatische Orgelmusik als Abgesang der Menschheit oder ruhige Pianomusik im All. Kein typischer „Wummer-Zimmer“, aber ein hervorragender Score.

Der Film hat eine durchdachte Handlung, die zum Nachdenken anregen soll. Der Zuschauer benötigt aber vor allem ein komplexeres Zeitverständnis, um bei einigen Szenen mitzufühlen. Die grundlegenden wissenschaftlichen Aspekte rund um Wurmlöcher und die Zeit werden im Film aber verständlich vermittelt. Der Aufbau der Geschichte, die sich am Anfang wirklich die nötige Zeit nimmt, und die stimmige Verbindung aus einer emotionalen Vater-Tochter-Beziehung und dem Kampf der Menschheit um ihr Überleben machen Interstellar zu einem Erlebnis. Mit der Botschaft, dass der einzelne Mensch nicht ohne Fehler ist, aber die Menschheit noch nicht verloren. Dabei ist der Film nicht euphorisch und nicht technophil. Es ist keine goldene Generation, die hier zu den Sternen aufbricht.

Mit 169 Minuten ist Interstellar der längste Nolan Streifen und man merkt es stellenweise, wie vollgepackt der Film ist. Die Mission hat immer Vorrang und für Nebenfiguren bleibt kaum Platz. Die Trennung der Handlungsorte durch Raum und Zeit war sicherlich eine Herausforderung, ganz perfekt gelungen ist sie nicht, so fehlt es zum Beispiel auf der Erde auch an Dramatik.

Interstellar hat nicht die beste Geschichte, bietet nicht die beste Schauspielerleistung und hat nicht das Artdesign, das eine Generation prägt, aber das Gesamtwerk ist beeindruckend.
Jonathan und Christopher Nolan schreiben gute Geschichten und kein anderer Regisseur gibt mir das Gefühl, das er seine Visionen auch so umsetzen kann. Interstellar hat mich überrascht, es gibt keinen Film der wie Interstellar ist, auch keinen ähnlichen Film von Nolan selbst. Seine Filmografie wächst und wird immer beeindruckender. Es bleibt nur die Frage, was als Nächstes kommt.

5/5

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