Whiplash

Whiplash (2014)

Ein junger Regisseur und Drehbuchautor aus Rhode Island findet für sein Filmprojekt über einen talentierten Musiker und einen eigenwilligen Lehrer keine Finanzierung. Aus dem Spielfilm wird ein Kurzfilm, schon mit einem der Hauptdarsteller und Teilen des Drehbuchs, der auf dem Sundance Film Festival gezeigt wird. Ein Jahr und drei Millionen Dollar später ist Regisseur Damien Chazelle wieder auf dem Film Festival vertreten, Whiplash läuft als Eröffnungsfilm.

Andrew (Miles Teller) träumt davon, wie sein Vorbild Buddy Rich, einer der größten Jazz Musiker aller Zeiten zu werden. Als Studienanfänger an der berühmten, und fiktiven, Shaffer Conservatory Musikschule in New York verbringt er den Großteil seiner Zeit im Übungsraum am Schlagzeug und macht dadurch auch den gefürchteten Lehrer und Bandleader der Schule Terence Fletcher (J.K. Simmons) auf sich aufmerksam.

Während der Jazz in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts besonders in den USA extrem populär war, hat die Musikrichtung heute etwas Elitäres, vergleichbar mit der klassischen Musik. Umso interessanter ist, wie Whiplash den Jazz aus seiner Niesche holt. Die Stücke im Film sind begrenzt, werden durch die Handlung auch oft wiederholt und die Studioband wirkt imposanter als ein Jazz-Trio auf der Bühne. Der Film bringt dem Zuschauer so ein ganzes Genre nahe, da sicherlich die Wenigsten vorher Jazz-Fans waren. Dem Stück Whiplash von Hank Levy verdankt der Film dann auch seinen Titel oder seiner Übersetzung, denn Whiplash kann sowohl Peitschenriemen, als auch Schleudertrauma bedeuten. In jedem Fall ein sehr treffender Filmtitel.

Als Leiter der Studioband verlangt der Lehrer Fletcher extrem viel von seinen Schülern, wer einen Fehler macht, wird vor der gesamten Band angeschrienen und gedemütigt und wer nicht Schritt hält, fliegt. Auf der Suche nach dem nächsten großen Jazzmusiker verlangt Fletcher Perfektion und dass seine Schüler über sich hinauswachsen, ein unmenschlicher Druck soll die jungen Musiker an ihre Grenzen treiben. J.K. Simmons brilliert in seiner Rolle als sympathischer Bösewicht der Geschichte, sein Zorn ist nie unbegründet und einige seiner fiesen Sprüche sind zudem sehr unterhaltsam für den Zuschauer. Und mit Andrew hat er im Film auch einen Gegenspieler, der sich von der Art des Unterrichts nur noch mehr motiviert fühlt. Wenn Andrew in der Musik versinkt und bis zur Erschöpfung am Schlagzeug übt, erzeugt der Film mit seiner Inszenierung und seiner Musik einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Blut, Schweiß, die Drumsticks wie sie in einer Nahaufnahme auf das Becken einschlagen. Für sein großes Ziel ist Andrew bereit alles andere zu opfern, ebenso fokussiert auf seine Karriere wie der Film auf seine Handlung.

Whiplash ist unglaublich intensiv, es ist ein herausragender Musikfilm und ein sehr gutes Drama. Er bleibt aber mit seinen Figuren und seiner Dramaturgie immer noch ein amerikanischer Film, einer der besten der letzten Jahre.

5/5

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