Exodus: Götter und Könige

Exodus: Götter und Könige (2014)

Literaturverfilmungen ohne Lizenzgebühren, vielleicht wird die Bibel auch deshalb das gute Buch genannt und so zeichnet sich zumindest in Hollywood ein leichter Trend in Sachen Bibelverfilmungen ab. Exodus ist eines der Bücher des Alten Testamentes und steht für den Auszug der Israeliten aus Ägypten, eine Geschichte, die bereits in dutzenden Filmen erzählt wurde und auch popkulturell eine gewisse Bedeutung hat. Ebenfalls von Bedeutung ist Regisseur Ridley Scott, der nach Gladiator und Königreich der Himmel mit Exodus: Götter und Könige bereits seinen dritten Monumentalfilm gedreht hat.

1300 Jahre vor Christus herrscht der Pharao Sethos über Ägypten, sein Sohn Ramses II. wächst zusammen mit dem Findelkind Moses in einem brüderlichen Verhältnis auf. Während das versklavte Volk der Israeliten dem Pharao gigantische Denkmäler baut, darf Moses an der Seite von Ramses den General spielen und mit der Armee in die Schlacht ziehen. Schon die veränderte Ausgangslage der Geschichte soll für Dramatik sorgen, ein Bruderkampf um die Macht.

Exodus beeindruckt vor allem mit seiner Ausstattung, neben den aufwendigen Kostümen hat man realistische Außenschauplätze und während des Drehs waren bis zu 6000 Statisten im Einsatz. Keine Selbstverständlichkeit im Computerzeitalter, wobei auch die CGI-Effekte im Film ansprechend sind. Auch für selbstverständlich in einem Bibelfilm hält man in Hollywood anscheinend die Besetzung von weißen Darstellern für die wichtigen Rollen im alten Ägypten. Während Christan Bale als Moses für den Starfaktor sorgt, würde der Film sicherlich auch ohne John Turturro, Aaron Paul, Ben Mendelsohn und Sigourney Weaver funktionieren. Zumal die einschichtigen Nebenfiguren oft belanglos für die Geschichte wirken. Diskutieren kann man auch über die Inszenierung von Gott, aber man kann ja nicht immer Morgan Freeman für die Rolle besetzen.

In den 150 Minuten Spielzeit findet auch eine Liebesgeschichte Platz, im Gegensatz zu einer komplexen Darstellung Moses und einer nachvollziehbaren Charakterentwicklung. Moses ist kein großer moralischer Führer, nur ein General, der seine Herkunft nicht akzeptieren will und ab einem bestimmten Punkt auch als Soldat völlig desillusioniert wirkt. Dabei wird das Leid seines Volkes unter der Sklaverei kaum gezeigt, insgesamt verzichtet der Film auf eine explizite Gewaltdarstellung. Auch Moses Guerillakrieg gegen den Pharao wirkt relativ harmlos, wohl auch als Vorbereitung für den Zorn Gottes. Machtvoll und ohne Erbarmen lässt Gott seine Plagen auf die Bevölkerung niederprasseln. Die CGI-Effekte sind visuell ansehnlich, aber nicht beeindruckend und folgen dramaturgisch zu schnell hintereinander. Die Filmmusik von Alberto Iglesias orientiert sich an epischen Scores, ist aber nie aufdringlich und bleibt auch nicht im Gedächtnis.

Exodus: Götter und Könige versucht, die bekannte Geschichte um Moses als epischen Blockbuster zu inszenieren und scheitert an einem spannungsarmen Drehbuch mit schwachen Figuren. Statt einem moralischen Anführer hat man nur einen Soldaten an der Seite eines zornigen Gottes. Die wichtige Figur seines Bruders Aaron fehlt genauso wie Moses cooler Schlangenstab. Die Identität der Geschichte wird auch dadurch verwässert, dass der Film die Sklaven immer als Hebräer bezeichnet, der Bezug zum Judentum und Israel wird verschwiegen.
So hat man nur einen visuell ansprechenden Fantasyfilm mit wenig Tiefgang und einem hervorragend spielenden Christian Bale in der Hauptrolle.

2/5

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Eine Antwort zu Exodus: Götter und Könige

  1. franziska-t schreibt:

    In meiner Rezension (https://filmkompass.wordpress.com/2015/01/21/exodus-gods-and-kings-3d-2014/) kam ich zu einem ähnlichen Ergebnis. Gerade vom Altmeister des Sandalenkinos habe ich mehr erwartet. Leider ist die Narration absolut einschläfernd.

    Gefällt mir

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