Elser

Elser – Er hätte die Welt verändert (2015)

Am 20. Juli gedenkt man in Deutschland Oberst Stauffenberg und seinem Versuch Adolf Hitler 1944 zu töten, um den Krieg zu beenden. Die Liste der deutschen Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime ist kurz, umso erstaunlicher ist es, wie man sich an Georg Elser erinnert und sein Unterfangen, den Krieg schon 1939 zu stoppen.
Eine Bombe im Münchner Hofbräuhaus, die Hitler und seine Führungsspitze vom Angesicht der Erde getilgt hätte. Nur 13 Minuten fehlten an diesem 8. November und Georg Elser hätte die Welt verändert.

Für den Hamburger Regisseur Oliver Hirschbiegel ist es nicht der erste Film, der sich mit dem 3. Reich befasst. Neben dem gefeierten Der Untergang, der die letzten Tage des Krieges in Berlin zeigt, verfilmte er auch das Theaterstück Ein ganz normaler Jude über den Sohn eines Holocaustüberlebenden. Hirschbiegel entschied sich bewusst für die Figur Georg Elser und beklagt die fehlende Anerkennung dieses Menschen.
Elsers Inhaftierung und sein Verhör nach dem Anschlag bilden das zentrale Element für die Erzählstruktur, in Rückblenden erinnert sich Elser zusammen mit dem Zuschauer an die letzten sieben Jahre und wie er von einem normalen Schreiner zum Bombenbauer wurde.

Für Hauptdarsteller Christian Friedel ist Georg Elser eine dankbare Rolle, da die Figur im Film eine nachvollziehbare Charakterentwicklung durchlebt und zudem ein breites emotionales Spektrum zeigt. Hinterfragen kann man allerdings die fast durchweg positiven Eigenschaften, welche Elser im Film hat. Vom Ruf eines Frauenhelden abgesehen, ist er fleißig, akribisch, hilfsbereit, musikalisch, ein sehr guter Handwerker und moralisch überlegen. Er ist jemand der keiner Ideologie folgt, dem die Veränderung in Deutschland unter Hitler bewusst ist und dem es am Anfang vor allem um seine Freiheit geht. Dagegen fehlt es den Nebenfiguren und auch den Nebendarstellern an Tiefe und auch der Spannungsbogen funktioniert nur bis zu einem bestimmten Punkt der Geschichte.

Ein Großteil der Rückblenden spielt in Elsers Heimatort Königsbronn, ein ideales Szenario um die Einstellung der Bürger und die Unterstützung für Hitler im normalen Volk zu zeigen. Hier erlebt man Gewalt gegen Juden und Kommunisten, die Mitmachmentalität und die Ausgrenzung derjenigen, die sich nicht an der Propaganda der NSDAP beteiligen. Gewalt wird im Film reduziert eingesetzt, auch wenn die Verhörmethoden der Nationalsozialisten alles andere als gewaltlos sind. Hirschbiegel zeigt, was nötig ist, nicht viel mehr, ohne dabei etwas zu verharmlosen. Hier werden keine Monster erschaffen, auch diejenigen, die Gewalt ausüben werden bewusst als normale Menschen inszeniert.

Elser erzählt die Geschichte eines einfachen Handwerkers hin zum Ein-Mann-Widerstand glaubhaft, ehrlich und zu gleich erschreckend. Wenn Georg Elser im Verhör immer wieder nach Komplizen gefragt wird und er irgendwann zynisch antwortet: „Sie werden lachen, es hätte niemand mitgemacht.“ Oliver Hirschbiegel ist sich seiner Verantwortung bewusst und so folgt am Ende noch ein zeitlicher Sprung und die Geschichte wird mit Texteinblendungen historisch vervollständigt.

Der Film überzeugt mit seinem Hauptdarsteller, seinem Drehbuch, seiner Inszenierung und vor allem mit seiner wichtigen Geschichte, die auch eine Botschaft enthält.
Es gibt ihn noch, den guten deutschen Film.

4/5

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