Pawn Sacrifice

Bauernopfer – Spiel der Könige (2014)

In einem Schachspiel gibt es mehr Spielkombinationen als Sterne im Universum.
Pawn Sacrifice erzählt die Geschichte von Bobby Fischer, einem Schachgroßmeister. Der Junge aus Brooklyn, der es mit der gesamten Sowjetunion aufnimmt.

Der zentrale Punkt der Handlung in dem Biopic von Regisseur Edward Zwick ist die Schachweltmeisterschaft 1972, in dessen Finale Bobby Fischer gegen den Russen Boris Spassky das Match des Jahrhunderts bestreitet. In Rückblenden werden Episoden aus Bobbys Kindheit erzählt, wie er es als Sohn einer jüdischen Einwanderin vom Wunderkind zum jüngsten Schachgroßmeister der Geschichte geschafft hat.

Wie viele Genies war Robert James Fischer ein Exzentriker, jemand der für das Spiel und seinen Traum der Beste zu sein, gelebt hat. Im Film wird die Anekdote um Paul Morphy erzählt, und wie ihn das Spiel verrückt gemacht hat. Stimmungsschwankungen, Reizüberempfindlichkeit und Paranoia lassen den Zuschauer auch zunehmend an Fischers geistiger Gesundheit zweifeln. Als emotionales Drama funktioniert Pawn Sacrifice allerdings nicht, die Nebenfiguren wirken beliebig und unterkühlt, echte Emotionen erlebt man nur bei Fischer selbst. Dazu fehlt es bei der Inszenierung der eventuellen Geisteskrankheit an Intensität. Und trotz der Thematik des Kalten Krieges, dem KGB und Weltverschwörungstheorien fehlt es der Handlung an Spannung. Man bekommt hier keinen Agenten- oder Politthriller.

Um in den drei Jahrzehnten der Handlung nicht den Überblick zu verlieren, zeigt der Film oft Montagen mit der jeweils aktuellen Popmusik und betreibt ein intensives Namedropping: Beatles, Vietnam, Nixon, Breschnew, Watergate, alles Dinge die Fischer nicht interessieren und für den Film eigentlich keine Rolle spielen. Auch wenn der Kalte Krieg dafür sorgt, die Schachmatches als Kampf der Kulturen hoch zu stilisieren. Bei der visuellen Inszenierung gibt es einige historische Filmaufnahmen, die in den Film integriert sind, zusätzlich stellt Zwick diverse Szenen in Schwarzweiß und Super-8-Farbfilm nach und nutzt auch teilweise Bildfilter, um den Film den bekannten 70er Jahre Look zu geben.
Schauspielerisch bietet Pawn Sacrifice einen überzeugenden Tobey Maguire, der als Bobby Fischer eine sehr vielschichtige Figur spielen darf. Auf der anderen Seite ist Liev Schrieber als Boris Spassky den Großteil des Films ein Mysterium, stets mit Sonnenbrille und wortkarg, macht er von Anfang den Eindruck eines Popstars. Bei den fast ausschließlich männlichen Darstellern bleibt sonst noch Peter Sarsgaard im Gedächtnis.

Die Darstellung von mehreren Spielen einer Sportart in einem Film ist nie leicht, es gilt einzelne Szenen dramatisch aussehen zu lassen im Kontext der Geschichte und trotzdem noch etwas vom eigentlichen Sport zu zeigen. Das Schach auch visuell wenig ansprechend ist, macht es nicht unbedingt leichter. Die Gedankengänge von Fischer werden als mögliche Spielzüge mit Pfeilen auf dem Schachbrett dargestellt, es wird sich auf einzelne Züge konzentriert und die Figuren benutzen jede Menge Fachbegriffe. Wer kennt nicht den Unterschied zwischen der Sizilianischen Verteidigung und der Nimzowitsch-Verteidigung? Zwick bringt vor allem rüber das Schach ein Spiel des Verstandes ist und die Konzentration der Spieler extrem wichtig ist. Das große Finale ist zu gleich auch das Match mit der besten Inszenierung, da es sich nicht nur auf Detailaufnahmen beschränkt und auf eine Montage verzichtet. Für die Spannung des Films ist es allerdings schade, dass Spassky als wirklicher Gegner und Gegenpol zu Fischer erst so spät in der Handlung in Aktion tritt.

Pawn Sacrifice ist ein solides Biopic, das es schafft, das Spiel der Könige nachvollziehbar darzustellen, aber nicht den damaligen Hype um die Sportart und den Wert von Bobby Fischer für das Spiel. Der Film leidet etwas unter seinem engen Bezug zu seiner wahren Geschichte und vernachlässigt seinen Anspruch als Drama fahrlässig. Es gibt bereits Dokumentationen über Robert James Fischer und es gibt auch einige sehr gute Dramen über exzentrische Genies, Pawn Sacrifice gehört nicht dazu.

3/5

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