Auswärtsfahrt #5

Dokumentarfilmzeit! Nach den Pilzköpfen aus Liverpool folgen die ersten Kritiken vom Zurich Film Festival 2016.

The Beatles: Eight Days a Week – The Touring Years (2016)
The Beatles: Eight Days a Week rechtfertigt seinen Kinoauftritt mit grossen Namen, kein geringerer als der zweifache Oscarpreisträger Ron Howard hat bei der Zusammenstellung der Dokumentation Regie geführt. Nach dem Dokumentarfilm Made in America über das gleichnamige und von Jay-Z gegründete Musikfestival ist es bereits Howards zweiter Film in dem Genre.

Eight Days a Week beginnt zwar im November 1963 in Manchester, bis auf ein paar Rückblenden dominiert der chronologische Ablauf der Ereignisse aber die Erzählstruktur. Die Interviews sind in die Narration eingeschoben und oft nur Kommentar und Beiwerk. Bei den Beatles hat man neue Interviews mit McCarthy und Starr sowie Archivmaterial von Lennon und Harrison. Wirklich interessant sind die Aussagen von Zeitzeugen wie Produzenten und Journalisten. Die Auswahl der Prominenten wirkt wahllos: Comedians und Schauspielerinnen, die sich als Fans outen, stehen stellvertretend für die zahllosen Anhänger der Sechzigerjahre.
Vollständige Kritik

Magnus – Der Mozart des Schachs (2016)
Rekorde sind dafür da, um gebrochen zu werden. Jeder Sport bringt alle paar Jahre ein neues Wunderkind hervor, eine Person, die den Sport selbst und alle Beteiligten erschüttert. Für den Schachsport ist es Magnus Carlsen. Oder, wenn man den Kommentatoren Glauben schenkt, der „Mozart des Schachs“.

Die Bildqualität einer Videokamera ist heute eher erschreckend, aber es ist ein Glücksfall für Regisseur Benjamin Ree, dass es diese Aufnahmen aus Carlsen Kindheit gibt. Auf ihnen sieht man einen kleinen Jungen, nachdenklich und fast abwesend, fernab der anderen Kinder. Dazu hört man aus dem Off die Erklärung des Vaters, Magnus sei schon immer anders gewesen. Es gibt im Film mehrere sehr persönliche Einblicke, die wohl nicht jeder Sportler gerne in der Dokumentation über den eigenen Erfolg sehen würde. Das Genie Magnus Carlsen wird als verletzlicher Mensch gezeigt; jemand, der anders ist, sich aber trotzdem mit den „normalen“ Menschen arrangieren kann.
Vollständige Kritik

Forever Pure (2016)
Die UEFA wirbt seit einigen Jahren mit der Kampagne „No to racism“. Eine Kampagne, die der Fussballclub Beitar Jerusalem als Teilnehmer der UEFA Europa League wohl kaum unterstützen würde. Nicht dass man generell ein Problem mit Ausländern hätte, ein christlicher Spieler aus Argentinien wird durchaus akzeptiert. Wenn jedoch ein muslimischer Fussballer verpflichtet wird, dann brennen alle Sicherungen durch.

Regisseurin Maya Zinshtein durfte den Verein in der Saison 2012/13 begleiten und hat dabei einen Skandal erlebt, der weit über den Fussball hinausgeht. Man erlebt aus erster Hand, wie sich Fans gegen die eigene Mannschaft stellen, wie Grenzen überschritten werden und es am Ende eigentlich nur Verlierer gibt. Als Gegenüberstellung zur Leidenschaft und dem Hass der Fans bekommt man Interviews mit dem Clubpräsidenten Arkadi Gaydamak zu sehen, in denen er erklärt, dass er für den Fussball wenig übrig habe. Der Sport sei ihm zu langweilig, aber er bewegt die Massen und er witterte ein Geschäft.
Vollständige Kritik

Advertisements

Über Quadrataugenrunde

Filmkritiken und Podcast
Dieser Beitrag wurde unter Auswärtsfahrt abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s