Filmjahr 2016 – Rückblick – Top 5

Es ist nicht alles Gold, auf dem Disney steht. Dass nicht jedes Remake und Sequel das gewünschte Geld an der Kinokasse eingespielt hat, gibt uns etwas Hoffnung. Noch mehr Hoffnung machen uns einige deutsche Regisseure und Regisseurinnen, die mit ihren guten Filmen gezeigt haben, dass es in Deutschland mehr gibt als Til Schweighöfer und Nazis.

Wie im letzten Jahr gibt es von jedem Quadrataugenrundenmitglied seine persönliche Top 5. Da Filme nicht überall zeitgleich erscheinen und man nicht jeden Film im Kino sehen kann, ist die Bedingung für die Zusammenstellung der Top 5, dass der Film im Jahr 2016 im Kino oder auf Blu-ray Disc erschienen ist. Trotzdem wollen wir aber Festivalbesuche nicht ausschliessen.

Was waren eure Highlights? Schreibt es uns in den Kommentaren oder schickt uns eine Postkarte.

Sebastians Top 5

1. Arrival
Denis Villeneuve hat mit Arrival für mich den besten Film 2016 gedreht. Nicht nur der Cast um Amy Adams und Jeremy Renner haben mir sehr gut gefallen, sondern auch die hervorragende Kameraführung. Der Film besticht durch schöne Bilder und eine etwas anders erzählte, aber anspruchsvolle Liebesgeschichte. Wer Arrival nicht liebt, hat Filme nie geliebt.

2. Midnight Special
Jeff Nichols hatte bereits mit seinen früheren Werken bewiesen, dass er gute Geschichten erzählen kann. In Midnight Special hat er ein übernatürliches Thema in eine spannende und liebenswerte Geschichte verpackt, die von einem kleinen Jungen mit besonderen Fähigkeiten getragen wird. Das Ende muss nicht jedem zusagen, ich fand es aber gut.

3. Nerve
Nerve kam für mich überraschend. Im Vorfeld hatte ich nicht viel über den Film gehört, fand aber das Filmposter schick. Der Film beweist, dass man ein aktuelles Thema wie soziale Netzwerke in eine durchdachte Geschichte verpacken kann. Dabei fand ich besonders Emma Roberts überzeugend und im Zusammenspiel mit Dave Franco sehr sympathisch. Wer mit dem Thema Social Media etwas anfangen kann, wird hier einen der stärksten Vertreter dieses Genres erleben.

4. Tallulah
In Tallulah entführt Ellen Page ein Baby und beginnt Muttergefühle zu dem Kind aufzubauen. Sie bemerkt, dass ihr rastloses Leben sie nicht wirklich erfüllt. Dabei besticht der Film mit witzigen aber auch emotionalen Momenten. Ellen Page spielt die liebevolle Ersatzmutter überzeugend und man fiebert mit ihrer Figur mit. Eine der wohl besten Netflix-Filme.

5. 10 Cloverfield Lane
Cloverfield kam 2008 mit einer etwas anderen Godzilla-Geschichte und einer besonderen Kameraführung gut beim Publikum an. Deshalb dachte sich wohl das Filmstudio, dass der Name wieder einige Leute in das Kino locken würde. 10 Cloverfield Lane hat aber nicht viel mit seinem Namensvetter zu tun, was aber nichtzwangsläufig negativ ist. Die Geschichte beginnt spannend und mysteriös. Der Zuschauer rätselt während der Handlung mehrmals, ob die Geschehnisse im Film real oder fiktiv sind. Das Ende stellt dann einen Bruch dar, der die Handlung in eine andere Richtung führt. Mir gefiel der Schluss dennoch und ich freue mich schon auf den dritten Film in diesem Universum, der 2017 erscheint.

Svens Top 5

1. La La Land
Zum zweiten Mal in Folge stammt mein Film des Jahres von Damien Chazelle. Als Randnotiz kann man anmerken, dass der junge Mann aus Rhode Island erst zwei Langfilme gedreht hat. La La Land ist der Grund, warum ich das Kino liebe, warum das Medium Film so faszinierend ist. Der Film ist mehr als eine bloße Reminiszenz an die großen Musicals der Studioära. La La Land ist auf so viele Arten romantisch. Die Bilder und die Inszenierung sind wunderschön und der Film hat so unglaublich viel Herz. Die Lieder und Tanzeinlagen sind großartig, Emma Stone strahlt richtig.
Auf jeden Abgesang, der auf das Kino verfasst wurde, würde Chazelle wohl antworten: „Well, not on my watch.“

2. Toni Erdmann
It’s true. All of it. Toni Erdmann ist der beste deutsche Film der letzten Jahre.
In der tiefgründigen Tragikkomödie bleibt einem das Lachen im Halse stecken, wenn Peter Simonischek seine Verwandlung in die titelgebende Figur vollzieht und Sandra Hüller dem Zuschauer aus vollem Leib die „Greatest Love of All“ präsentiert. Die Kameraführung ist so konsequent und interessant, die gleiche Konsequenz hat man beim Einsatz der Musik. Die Dialoge sind voller Charme und Witz, nicht jedes Thema wird offen angesprochen und für den Zuschauer auserzählt. Maren Ades Werk ist die Speerspitze des deutschen Films.

3. Arrival
Arrival ist ein guter Science-Fiction-Film, der von einer exzellenten Amy Adams getragen wird. Handwerklich kann man Denis Villeneuve nichts vorwerfen, Arrival ist ein attraktiver Film. Auf der narrativen Ebene bekommt man eine nachvollziehbare Inszenierung der wissenschaftlichen Vorgänge, ebenso überzeugend ist der Aufbau und der Erzählstil. Jeder kleine persönliche Konflikt, den Louise erlebt, ist spannender als der globale Konflikt auf der Erde. Am Ende hat der Film es dann geschafft, mich wirklich tief zu berühren. Die emotionale Bindung an Louise funktioniert. Eine Wissenschaftlerin, die im Alleingang die Welt retten muss – das ist die Art von Übermensch, die das Kino wirklich braucht.

4. Son of Saul
Son of Saul ist ein sehr unangenehmer Film und war für mich eine einzigartige Kinoerfahrung. Er tut weh, er schockiert. Man sieht den Vorraum einer Gaskammer, den Arbeitsalltag in einem Schlachthaus für Menschen. Das Bildformat, der Einsatz der Schärfentiefe und die Fokussierung auf die Hauptfigur erhöhen die Intensität des Films ungemein. Die Art wie Géza Röhrig Saul spielt, ist genauso erschreckend, wie der Film selbst. Ein lebender Toter, der nach ein paar Monaten in Auschwitz zu keiner Emotion mehr fähig ist. László Nemes Werk über den Holocaust ist so wichtig und künstlerisch beeindruckend umgesetzt. Ein unglaubliches Erstwerk.

5. Macbeth
Justin Kurzels Adaption von Shakespeares Theaterstück ist ein bildgewaltiger Kriegsfilm. Die Landschaftsaufnahmen sind wunderschön und beeindruckend. Michael Fassbender und Marion Cotillard spielen brillant. Während Cotillard die Fäden zieht, kann man beobachten, wie Fassbender in seinem körperlichen Schauspiel langsam zerfällt. Ich wüsste nicht, wie man ein klassisches Theaterstück heutzutage besser auf die Leinwand umsetzen sollte. All hail, Macbeth!

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Über Quadrataugenrunde

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4 Antworten zu Filmjahr 2016 – Rückblick – Top 5

  1. bullion schreibt:

    Von den Filmen habe ich tatsächlich noch keinen einzigen gesehen. Unfassbar. Ihr seht, mein Filmjahr 2017 kann nur gut werden… 😉

    Gefällt 2 Personen

  2. Quadrataugenrunde schreibt:

    Und wer noch mehr gute Filme braucht und gerne bunte Bilder mag, bei Letterboxd gibt es sogar Svens Top25!
    http://letterboxd.com/pandavegetto/list/favorite-films-2016/

    Gefällt 1 Person

  3. franziska-t schreibt:

    ARRIVAL muss ich auch unbedingt noch schauen. Auf LA LA LAND freue ich mich auch schon sehr. „City of Stars“, das Duett von Ryan Gosling und Emma Stone, ist echt ein Ohrwurm.

    Gefällt 2 Personen

  4. striggow schreibt:

    Mein Rückblick ist etwas davon beeinträchtigt, dass ich viele gute Filme aus 2016 ncoh nicht sehen konnte. Mindert allerdings nicht die Qualität meiner zusammengestellten Top 5 🙂

    MfG
    Sebastian

    Gefällt 1 Person

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