Auswärtsfahrt #11

Während Mike Mills seine eigene Vergangenheit im sonnigen Kalifornien ergründet, begibt sich Terrence Malick in Austin auf die Sinnsuche.

Jahrhundertfrauen (2016)
Ganze sechs Jahre liegen zwischen Mike Mills letztem Film Beginners und seinem neuen Werk. Während bei grossen Produktionen noch am Set die Geschichte umgeschrieben wird, nimmt sich der Regisseur und Drehbuchautor aus Kalifornien reichlich Zeit für seine Projekte. Zudem ist Jamies Geschichte von Mills eigener Kindheit inspiriert. Für ihn ist Jahrhundertfrauen ein Liebesbrief an die Frauen in seinem Leben.

Vielleicht gerade weil Dorothea so ein enges Verhältnis zu ihrem einzigen Sohn hat, ist es so schwer für sie, dass sich Jamie sich jeden Tag weiter von ihr entfernt. Für gefährliche Mutproben und die laute Musik von Punkbands wie The Raincoats fehlt es der 55-Jährigen an Verständnis. Dorotheas Stimme ist die Erste, die aus dem Off erklingt. Wie alle Rückblenden im Film beginnt sie mit einer Geburt, der von Jamie. Zu den gefühlvollen Klängen der von Roger Neill komponierten Titelmelodie erzählt sie sehr ruhig vom Wunder des Lebens. Die Voice-Over-Montagen sind dabei mehr als eine blosse Zusammenfassung der bisherigen Lebensgeschichte, der historische und kulturelle Bezug kommt immer zur Geltung. Später beschränkt man sich nicht nur auf die Vergangenheit, in Vorausblenden werden zukünftige Ereignisse eingeordnet. Das Ende der wilden Siebziger steht stellvertretend für die Unberechenbarkeit der Zukunft. Niemand kann wissen, wie sein Leben verläuft und was ihn erwartet.
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Song to Song (2017)
Ständig auf Suche nach der eigenen Bestimmung, ohne das Ziel zu erreichen; sich auf nichts festlegen können, schon gar nicht auf eine Beziehung: Wenn alle Vorurteile gegenüber der Generation Y stimmen würden, Song to Song wäre ihr Film. Auch Regisseur Terrence Malick ist seit seinem Comebackfilm The Tree of Life auf der Suche und er scheint auch in Austin noch nicht am Ende zu sein.

Wenn man sich auf ein zentrales Handlungselement festlegen müsste, wäre es die Dreiecksbeziehung zwischen BV, Faye und Cook. Besonders in der ersten Hälfte wird mit ihr eine lineare Geschichte angedeutet. Da Faye sich am häufigsten zwischen ihren Liebespartnern entscheiden muss und dazu noch die zielloseste Figur ist, darf man als Zuschauer jede Menge Zeit mit Rooney Mara verbringen. Und Mara glänzt bei den zum Grossteil improvisierten Szenen. In ihrem Schauspiel liegt gleichzeitig eine Verletzlichkeit und grosse Sehnsucht. Würde es Carol nicht geben, könnte man über Song to Song sagen, dass Mara noch nie schöner auf der Leinwand war. Wie gewohnt überzeugt auch Michael Fassbender. Unterkühlt und selbstzerstörerisch schlägt er eine ganz andere Richtung ein, und seine Figur erinnert ganz bewusst an den Teufel.
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