Auswärtsfahrt #15

Filmkritiken vom Zurich Film Festival 2017. Mit echten und falschen Revolverhelden.

The Hero (2017)
„Der perfekte Partner für ihr Hühnchen!“: Lees Berufsalltag findet im Tonstudio statt, der ehemalige Westernheld wirbt für eine Barbecue-Sauce. Man muss das Gespräch mit seinem Agenten nicht hören, um zu wissen, wie es um die Karriere des Schauspielers steht. In seinen Träumen steht er immer noch vor der Kamera. Es ist allerdings der 71-jährige Lee, der sich am Set von „The Hero“ bewegt, im festen Glauben, dass er es immer noch könnte, wenn sich nur die Gelegenheit dafür ergeben würde. Noch einmal der Held sein. Vielleicht auch deshalb hat Lee wenig Lust dazu, sich für sein Lebenswerk auszeichnen zu lassen.

The Hero behält seinen digitalen sauberen Look leider auch in den Tagträumen. Obwohl zum Teil bedrohlich, werden sie nicht surreal. Die gute Kameraarbeit wird vor allem im Zusammenspiel mit Sam Elliot deutlich. Wenn bei der Preisverleihung das Highlightvideo seiner Werke gezeigt wird, bleibt die Kamera ganz nah an Lees Gesicht, und man kann die Melancholie fast greifen. Ebenso überzeugend sind die Szenen am Meer, die vorsichtigen Annäherungsversuche an seine Tochter und ein Gespräch mit seiner Frau, bei dem dem Zuschauer der Ton verwehrt bleibt. Immer wenn Lee im Fokus steht und seine Gefühle zeigt, ist der Film am besten.
Vollständige Kritik

Krieg (2017)
Krieg ist erst der zweite Spielfilm des deutschen Regisseurs Rick Ostermann. Und wie schon sein Debütwerk Wolfskinder, ist es ein Drama, das sich mit den Nachwirkungen eines (deutschen) Krieges beschäftigt. Der Film ist in zwei Zeitebenen unterteilt, die sich stark voneinander unterscheiden und trotz Ulrich Matthes als verbindendem Element nicht richtig zueinanderfinden. Als Zuschauer kann man erahnen, dass die Familiegeschichte kein gutes Ende nimmt, wenn man Arnold zu Beginn allein in den Bergen sieht. Interessante Handlungsstränge und die Verarbeitung von Trauer erlebt man nur in der Handlungsebene, die in Österreich spielt.

In Berlin sieht man das scheinbar perfekte Vorstadtleben, aber der Film schafft es nicht, seine oberflächlichen Figuren zu entlarven. Das völlige Unverständnis von Ehefrau Karen für die Thematik wirkt so glaubhaft, dass man sie ernstnehmen muss. Die blosse Erkenntnis, dass Krieg böse ist und doch bitte schön weit weg von einem selbst bleiben soll, ist nicht neu und zudem naiv. Karens Abdriften in den Alkoholismus steht zudem im starken Kontrast zu Arnolds Ruhe, nie werden ihre Probleme glaubhaft vermittelt.
Vollständige Kritik

Über Quadrataugenrunde

Filmkritiken und Podcast
Dieser Beitrag wurde unter Auswärtsfahrt abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.