Filmjahr 2017 – Rückblick – Top 5

Werde auch Du ein Teil der Walt Disney Company, bevor es zu spät ist! Während ein Studio den Markt dominiert, werden selbst bei den Bay’schen Spielzeugfilmen die Zweifel des Kinozuschauers größer. Aber abseits der, trotz 3-D-Brille, eindimensionalen Blockbuster lebt das Kino in seiner ganzen Vielfalt.

Wie im letzten Jahr gibt es von jedem Quadrataugenrundenmitglied seine persönliche Top 5. Da Filme nicht überall zeitgleich erscheinen, orientieren wir uns für den Rückblick zeitlich an den deutschen Kinostarts, wollen Festivalbesuche aber nicht ausschließen.

Was waren eure Highlights? Schreibt es uns in den Kommentaren oder schickt uns eine Postkarte.

Sebastians Top 5

1. Manchester by the Sea
Manchester by the Sea ist für mich der deprimierendste Film, der jemals auf der Leinwand erstrahlen durfte. Er will nie glücklich machen. Er will einfach nur seine traurige Geschichte erzählen. Dabei brilliert Casey Affleck in der Rolle des trauernden Vaters wie kaum ein anderer. Ich mochte die Stimmung des Films und das er in einem kurzen beiläufigen Moment lustig erscheint, einem aber im nächsten Moment sofort wieder in die Realität reißt und die tragischen Erlebnisse der jungen Familie vor Augen hält.

2. Dunkirk
Zwischen dem 26. Mai und dem 4. Juni 1940 drängte die Wehrmacht die Alliierten zurück bis zum Strand von Dünnkirchen. Dort eingekesselt wurden sie bombardiert und beschossen. Christopher Nolan hat aus diesem historischen Ereignis seinen neusten Film gemacht. Dabei überzeugt er wie immer mit echten Schauplätzen und wenig CGI. Das Ganze wird durch den Einsatz verschiedener Zeitebenen etwas anspruchsvoller gestaltet, sodass der Zuschauer auch, wie für Nolan typisch, zum Mitdenken angeregt wird. Für mich bleibt Christopher Nolan der beste Regisseur, wenn es darum geht, Anspruch und Mainstream in einem Film perfekt zu kombinieren. Er schafft es, ohne viel Action einen dennoch spannenden Film zu erschaffen.

3. La La Land
Musikfilme gehören nicht unbedingt zu meinen Favoriten. La La Land hat aber Stärken, wo andere Filme dieses Genres versagen. Damien Chazelle schafft einen guten Kompromiss zwischen Musical und normalem Film. Es ist immer genau der Punkt, an dem mich die Lieder stören könnten, an dem es zum normalen Film wechselt. Das Zusammenspiel zwischen Emma Stone und Ryan Gosling ist dazu sympathisch und glaubwürdig. Das Ende ist unkonventionell, aber genau das war das tolle dran. Die Lieder bleiben auch nach dem Abspann im Ohr.

4. Ghost in the Shell
Scarlett Johansson geht immer. Punkt. Dazu eine futuristische Welt mit einer interessanten Geschichte, so leicht ist ein toller Film gemacht. Ghost in the Shell schafft es, mit beeindruckenden Bildern die meiste Zeit die Hollywoodfesseln abzulegen. Leider eben nur die meiste Zeit, denn der Film verstrickt sich dennoch zu oft in die Standarderzählweise eines Marvel-Blockbusters. Was bleibt, ist eine tolle Johansson und starke Bilder. Ich hoffe, dass wir noch eine Fortsetzung bekommen werden.

5. The Discovery
Was wäre, wenn das nächste Leben ein viel besseres wäre, als das jetzige? Dieser Frage geht The Discovery nach. Gibt es ein Leben nach dem Tod? Gibt es parallele Universen? Die spannende und gut durchdachte Geschichte erklärt dem Zuschauer auf sehr schlüssige Art und Weise Déjà-vus, sodass The Discovery der erste richtig gute Netflixfilm ist. Die vielen interessante Ansätze lassen einen auch nach dem Abspann noch über die Thematik nachdenken. Für mich einer der besten Mysterythriller der letzten Jahre.

Svens Top 5

1. Jackie
„Don’t let it be forgot, that once there was a spot, for one brief shining moment, that was known as Camelot.“
Pablo Larraíns Film ist eine einzige Beerdigung. Jackie ist gefangen zwischen der eigenen Trauer und dem Erbe ihres Mannes. Selbstzweifel und Machtdemonstrationen stehen im stetigen Wechsel. Der Film ist alles andere als ein gewöhnliches Biopic und verzichtet fast vollständig auf die großen emotionalen Momente. Auch Natalie Portman bewegt sich mit ihrer Charakterstudie weit über dem normalen Niveau, ihre Darstellung der Jacqueline Kennedy wirkt stellenweise surreal. Ebenso herausragend wie die Kameraarbeit von Stéphane Fontaine ist der Score von Mica Levi, die Musik ist allgegenwärtig und gibt nicht nur das Tempo vor. Für mich ist Jackie der schönste Film des Jahres.

2. Three Billboards Outside Ebbing, Missouri
Es gibt einen neuen Sheriff in der Stadt und sie heißt Mildred Hayes. Martin McDonaghs dritter Film ist sein bislang bester. Anstatt verrückte Gangster bekommen wir echte Menschen in einer ernsthaften Welt, die in eine gefährliche Gewaltspirale geraten. Die Wut und der Zorn einer Mutter sorgen hier für eine Eskalation in der Kleinstadtgemeinde. Mit jeder verstreichenden Minute wird wortwörtlich nur mehr Benzin ins Feuer gegossen. Aus dem guten Cast sticht die fantastische Frances McDormand heraus und das messerscharfe Drehbuch sorgt für grandiose Dialoge. Three Billboards Outside Ebbing, Missouri ist eine schwarze Komödie, dessen Zynismus nur schwer zu überbieten ist.

3. Die Taschendiebin
Park Chan-wooks bildgewaltiger Erotikthriller ist für mich vor allem eine sehr schöne Liebesgeschichte. Während Kim Min-hee sich in der Beziehung zu ihrem Hausmädchen verliert, kann sich der Zuschauer in den wunderschönen Einstellungen verlieren. Es sind nicht nur die Kostüme und die Ausstattung, die das alte Japan hier aufleben lassen. Der prägnante Score und die verschachtelte Erzählstruktur lassen einen bis zum Ende nicht los. Für Fans von Park Chan-wook eine ganz besondere Art von „Porno“.

4. Manchester by the Sea
Manchester by the Sea ist ein tieftrauriger Film über die Trauer selbst. Die Inszenierung von Kenneth Lonergan ist fehlerlos und extrem konsequent, handwerklich passt hier alles zusammen. Die langsame Enthüllung von Lee Chandlers Schicksal in Form von Rückblenden ist extrem gelungen und Casey Affleck geht komplett in der Rolle auf. Er überragt alle anderen Darsteller, inklusive der starken Michelle Williams. Wie nuanciert der Film ist, wird auch bei den vielen wirklichen witzigen Momenten deutlich, die dafür sorgen, dass man nicht die kompletten 138 Minuten in einer Depression versinkt.

5. Silence
Ich hätte Silence auch auf Portugiesisch und in der 195 Minuten Fassung gesehen. Martin Scorseses Herzensprojekt spielt im feudalen Japan und erzählt natürlich vom Katholizismus. Über zweieinhalb Stunden verfolgen wir Andrew Garfields Figur bei seiner Glaubenskrise, sehen die wunderschönen Bilder von Kameramann Rodrigo Prieto und merken, wie ernst man den Filmtitel bei der Tongestaltung genommen hat. Silence ist ein Abenteuer für Cineasten, dass aber genau wie jede Religion keinen einfachen Antworten bietet.

(Anmerkung: Die Filme La La Land, Neruda, Hell or High Water, Personal Shopper und Elle befanden sich bereits im letzten Jahr in Svens Rückblick.)

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Über Quadrataugenrunde

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2 Antworten zu Filmjahr 2017 – Rückblick – Top 5

  1. Quadrataugenrunde schreibt:

    Und wer noch mehr gute Filme braucht und gerne bunte Bilder mag, bei Letterboxd gibt es sogar Svens Top 25!
    https://letterboxd.com/pandavegetto/list/favorite-films-2017/

  2. Pingback: Quadrataugenrundenpodcast Spezialfolge 6 | Die Quadrataugenrunde

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