Filmjahr 2018 – Rückblick – Top 5

Wer ein schlechtes Kinojahr hatte, der hat nur die falschen Filme gesehen. Nie war diese Aussage wahrer als 2018. Während sich die Anzahl der Superhelden fast halbiert hat, gab es aus dem Rest der Welt so viele gute Filme, dass die Amerikaner ganz schön schlecht aussehen bei ihren Award Shows. Die einseitigen Einspielergebisse zugunsten der Walt Disney Company repräsentieren nicht die Vielfalt des Kinos.

Anders als in den letzten Jahren gibt es leider nur noch eine persönliche Top 5. Da Filme nicht überall zeitgleich erscheinen, orientieren wir uns für den Rückblick zeitlich an den deutschen Kinostarts, wollen Festivalbesuche aber nicht ausschließen.

Was waren eure Highlights? Schreibt es uns in den Kommentaren oder schickt uns eine Postkarte.

Svens Top 5

1. Der seidene Faden
„Reynolds has made my dreams come true. And I have given him what he desires most in return.“
Nicht nur mein Film des Jahres, sondern auch einer der eindrucksvollsten Kinoerfahrungen. Paul Thomas Anderson ist für mich derzeit der interessanteste amerikanische Regisseur. Seit seinem Meisterwerk The Master hat er einen faszinierenden Reifeprozess durchlaufen. Der seidene Faden hat mit Daniel Day-Lewis den besten Schauspieler der Welt und mit Vicky Krieps einen überraschend starken Gegenpart. Dass es einer der schönsten Filme des Jahres ist, liegt nicht nur an den Kostümen, die selbst aus dem Hause Woodcock stammen könnten. Besonders die Nahaufnahmen sind zum Dahinschmelzen, aber die gesamte Kameraarbeit von Anderson ist herausragend. Der orchestrale Score von Jonny Greenwood steht dieser in nichts nach. Inhaltlich bekommt man viel mehr als die klassische Beziehung vom schwierigen Künstler und seiner Muse. Es ist ein großer Liebesfilm bei dem die Art der Liebe sich nicht immer sofort offenbart.

2. Roma
Alfonso Cuaróns Liebeserklärung an seine Heimat ist auch ein Film über seine Jugend. Aber es nicht seine Geschichte, die er hier in Mexiko-Stadt erzählt. In einer wohlhabenden Familie sieht Cleo, was sie nicht haben darf. Ein Kindermädchen kümmert sich um die Familie von anderen Leuten. Und Cuarón belässt seine Hauptfigur in ihrer sozialen Klasse.
Roma ist ein Film für das Kino. Auf der Leinwand tummeln sich unzählige Gestalten, alles ist immer in Bewegung – und sei es nur das Wischwasser im Hausflur. Das Sounddesign in Kombination mit Dolby Atmos hat bei mir für eine Immersion gesorgt, wie ich sie so noch nicht erlebt habe. Die Kameraarbeit von Cuarón, jede Einstellung ist ein kleines Meisterwerk. Schon vor der ikonischen Fahrt ans Meer war ich emotional aufgelöst. Es ist auch das zurückhaltende Schauspiel von Yalitza Aparicio, dass Cleos gütiges Auftreten so glaubhaft macht. Als der Abspann im Kino zu Ende war, hätte ich Roma am liebsten gleich noch einmal gesehen.

3. Mission: Impossible – Fallout
Seine Regierung mag Ethan Hunt noch so oft verraten, die Welt und den Kinozuschauer lässt er nie im Stich. Tom Cruise ist nur Tom Cruise, weil es kein anderer macht, hieß es diesen Sommer. Und das stimmt auch, die Welt braucht Ethan Hunt und das Kino braucht Tom Cruise. Denn für Hollywoods letzten großen Star scheint nichts unmöglich. Christopher McQuarries Werk ist der Actionfilm des Jahres und das Highlight einer Reihe, der es trotz seines Stars bisher an Konstanz mangelte. Ein perfekter Sturm, der bei vielen Blockbustern immer unwahrscheinlich zu sein scheint. Die Kameraarbeit von Rob Hardy, die Musik von Lorne Balfe und das Schauspiel von Cruise verdienen mehr Wertschätzung.

4. Shoplifters – Familienbande
Was ist, wenn man sich seine Familie aussuchen könnte?
Hirokazu Kore-edas Film über eine Bande von Ladendieben und Betrügern erzählt nicht nur etwas über Armut in Japan und über eine Gesellschaft der Abgehängten, es ist ein tief humanistisches Werk. Verständnis für die Probleme der anderen, Zuneigung gegen den Verlust und Liebe gegen die Einsamkeit. Die Shibatas sind eine echte Familie und Shoplifters ein herzzerreißender, wunderschöner Film. Und Schauspielerin Sakura Andô zeigt hier eine der besten Performances des Jahres.

5. Lady Bird
Obwohl ich ein Faible für das Coming-of-Age-Genre habe und Fan von Greta Gerwig und Noah Baumbach bin, war Lady Bird längst kein Selbstläufer.
Der Film beschränkt sich nicht nur darauf, das letzte Schuljahr nachzuerzählen. Die gesamte Jugend wird hier zu einer Collage. Wichtige Momente nehmen nur Sekunden ein und verschwinden dann im nächsten Augenblick. Die Entwicklung von Christine wird gezeigt und nicht erklärt. Saoirse Ronan liefert in der Titelrolle vielleicht ihre bisherige Karrierebestleistung ab, überhaupt hat der Film einen fantastischen Cast. Das stärkste Element ist aber für mich das Drehbuch von Greta Gerwig. Hier ist nichts improvisiert, nichts wirkt aufgesetzt. Nicht nur wegen Justin Timberlake erwacht das Jahr 2002 hier wieder zum Leben. Lady Bird ist ein unglaubliches Regiedebüt und eine Bereicherung für das Genre.

(Anmerkung: Die Filme Three Billboards Outside Ebbing, Missouri, A Beautiful Day und The Florida Project befanden sich bereits im letzten Jahr in Svens Rückblick.)

Über Quadrataugenrunde

Filmkritiken und Podcast
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2 Antworten zu Filmjahr 2018 – Rückblick – Top 5

  1. Quadrataugenrunde schreibt:

    Und wer noch mehr gute Filme braucht und gerne bunte Bilder mag, bei Letterboxd gibt es sogar Svens Top 25!
    https://letterboxd.com/pandavegetto/list/favorite-films-2018/

  2. Filmkürbis schreibt:

    Eine sehr schöne Liste mit einigen Überschneidungen. 🙂

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