Auswärtsfahrt #31

Eine Debatte über den Wert von Kunst und eine Schweizer Milieustudie über eine schrecklich nette Familie. 

The Price of Everything (2018)
58 Millionen Dollar – so viel ist ein aufblasbarer Hund wert. Die zeitgenössische Kunst von Jeff Koons allein zeigt die Ausmasse des heutigen Kunstmarkts. Auktionshäuser rund um den Globus beschränken sich nicht nur auf den Verkauf von Kunst, sie erschaffen zum Teil selbst einen neuen Markt. Mehr Sammler bedeutet mehr Geld, und mehr Geld bedeutet mehr Künstler. Die Akteure des Kunsthandels präsentieren sich in Nathaniel Kahns (My Architect) Dokumentation äusserst selbstbewusst. Denn ohne sie würde es schliesslich viele Künstler gar nicht geben.

Wenn die Kamera nicht gerade als Plattform für die zahlreichen Interviewpartner fungiert, dann ist sie die stille Beobachterin. Sie zeigt Handwerk und Handel mit ihren Hintergrundgeräuschen. Nahaufnahmen und langsame Zooms versuchen die Kunstwerke möglichst akkurat darzustellen. Es bleibt natürlich bei einem zweidimensionalen Erlebnis. Aber man bekommt ein Verständnis dafür, wie gross diese Industrie geworden ist, wie unterschiedlich ihre Künstler arbeiten und wie vielfältig die gehandelte Kunst ist.
Vollständige Kritik

Family Practice – Sohn meines Vaters (2018)
„Agnes, jetzt kein Drama!“, tönt es aus dem Mund von Doktor Kaufmann. Dabei wäre das ganz grosse Drama in seiner Familie durchaus angebracht. Während man schnell versteht, warum Simon seine Eltern meidet, ist es weniger offensichtlich, warum Agnes bei ihrem untreuen Gigolo von Ehemann bleibt. Der Psychiater hat als Patriarch der Familie wirklich alles unter Kontrolle.

Dass Simon sein Medizinstudium abgebrochen hat und lieber Karikaturen von Tieren zeichnet, haben seine Eltern immer noch nicht überwunden. Kritik an ihrem Sohn wird mit mitleidigem Lob bestätigt, es sei schliesslich eine ganze andere Generation heutzutage. Neben den offensichtlichen Konfliktlinien bleibt Simons Beziehung zu seinem Vater lange Zeit unterschwellig. Seine möglichen psychischen Probleme werden nur angedeutet, bis sich sein Vaterkomplex später im vollen Masse präsentiert. Im Konkurrenzkampf mit seinem Erzeuger mangelt es Simon aber nicht nur am beruflichen Erfolg, sondern auch am natürlichen Charme. Er missversteht die gesellschaftliche Rolle seines Vaters und stürzt sich im familiären Zweikampf selbst ins Unglück. Seine Beziehung zur Sekretärin Sonja ist besonders aus psychologischer Sicht interessant. Der Zorn auf Karl verbindet die beiden auf eine bizarre Weise.
Vollständige Kritik

Über Quadrataugenrunde

Filmkritiken und Podcast
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