Auswärtsfahrt #33

Keira Knightley im Krieg, Sebastian Schipper auf der Strasse und die kleine Amanda allein in Paris.

Niemandsland – The Aftermath (2018)
Mit Aufnahmen aus der Vogelperspektive macht The Aftermath schnell klar, in welchem Setting wir uns befinden. Von der Hafenstadt Hamburg sind wenige Monate nach dem Kriegsende nur noch Ruinen übrig. Die Macht der britischen Hauptfiguren findet sich auch im Wohlstand wieder, die Villa als Kontrastprogramm zu den Trümmerfrauen.

Die Geschichte um Schuld und Verlust fokussiert sich auf Rachael. In ihrem Alltag erleben wir die Spannungen zwischen Deutschen und Briten, den Zwiespalt, in dem sich viele Menschen befunden haben müssen. Es sind ihre Erinnerungen an Sohn Michael, die wir sehen. Auf der anderen Seite befindet sich Lewis, der sich in die Arbeit gestürzt hat. Der Krieg als ultimative Ablenkung vom Tod. Von seinen Kollegen wird er für seine Menschlichkeit verspottet, „Lawrence of Hamburg“ nennen sie ihn.
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Roads (2019)
Die Flüchtlingskrise hat längst das Kino erreicht. Der neue Film von Sebastian Schipper (Victoria) erzählt von einem Einzelschicksal in einem veränderten Europa, in dem Grenzen und Polizisten für Menschen eine Gefahr darstellen. Hauptfigur Gyllen ist sich seiner Privilegien lange Zeit nicht bewusst, vielleicht klappt die Verbrüderung mit William auch deshalb so gut. Der jugendliche Zorn auf die Eltern steht in einem ganz anderen Licht, wenn die Familie es sich leisten kann, ihre Ferien auf einem anderen Kontinent zu verbringen.

Die Beziehung der beiden Jungs profitiert immens davon, wie nachvollziehbar hier Vertrauen aufgebaut wird: die gemeinsame Aufgeregtheit beim Grenzübertritt, Debatten über den englischen Fussball und Geheimnisse, die man lieber noch für sich behält. In einem Assoziationsspiel, das auch filmisch gut umgesetzt ist, schliessen Gyllen und William abwechselnd ihre Augen. Es ist eine Szene, die auch den Zuschauern die Vorurteile gegenüber anderen Menschen vorführt.
Vollständige Kritik

Mein Leben mit Amanda (2018)
Amanda wartet vor der Schule und David ist mal wieder zu spät dran. Seine Unpünktlichkeit zieht sich durch den ganzen Film und ist eine Aussage zu seinem lockeren Lebensstil. Nichts passiert, das Kind sei doch sicher zu Hause angekommen. Konsequenzen gibt es für David nicht. Schnell wird das gemeinsame Band deutlich, dass er mit seiner Schwester hat. Lockere Dialoge über Beziehungen und Spässe zeigen die Leichtigkeit von Mein Leben mit Amanda. Und dann stürzt plötzlich die Welt zusammen.

Die tote Mutter wird nie gezeigt, der Schnitt verhindert es, wichtige Momente wie Beerdigungen werden übersprungen. Die Ausmasse des Anschlags werden auf ein Minimum reduziert. Keine nationale Trauer, keine Schockszenen. Die wichtigste Szene ist David, der mit Amanda auf einer Parkbank sitzt, es selbst nicht in Worte fassen kann und beim Versuch fast emotional zerbricht. Es ist eine brutale Intimität, die der Film hier zeigt, und man fühlt unendliches Mitleid für dieses kleine Mädchen.
Vollständige Kritik

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