Filmjahr 2016 – Rückblick – Top 5

Es ist nicht alles Gold, auf dem Disney steht. Dass nicht jedes Remake und Sequel das gewünschte Geld an der Kinokasse eingespielt hat, gibt uns etwas Hoffnung. Noch mehr Hoffnung machen uns einige deutsche Regisseure und Regisseurinnen, die mit ihren guten Filmen gezeigt haben, dass es in Deutschland mehr gibt als Til Schweighöfer und Nazis.

Wie im letzten Jahr gibt es von jedem Quadrataugenrundenmitglied seine persönliche Top 5. Da Filme nicht überall zeitgleich erscheinen und man nicht jeden Film im Kino sehen kann, ist die Bedingung für die Zusammenstellung der Top 5, dass der Film im Jahr 2016 im Kino oder auf Blu-ray Disc erschienen ist. Trotzdem wollen wir aber Festivalbesuche nicht ausschliessen.

Was waren eure Highlights? Schreibt es uns in den Kommentaren oder schickt uns eine Postkarte.

Sebastians Top 5

1. Arrival
Denis Villeneuve hat mit Arrival für mich den besten Film 2016 gedreht. Nicht nur der Cast um Amy Adams und Jeremy Renner haben mir sehr gut gefallen, sondern auch die hervorragende Kameraführung. Der Film besticht durch schöne Bilder und eine etwas anders erzählte, aber anspruchsvolle Liebesgeschichte. Wer Arrival nicht liebt, hat Filme nie geliebt.

2. Midnight Special
Jeff Nichols hatte bereits mit seinen früheren Werken bewiesen, dass er gute Geschichten erzählen kann. In Midnight Special hat er ein übernatürliches Thema in eine spannende und liebenswerte Geschichte verpackt, die von einem kleinen Jungen mit besonderen Fähigkeiten getragen wird. Das Ende muss nicht jedem zusagen, ich fand es aber gut.

3. Nerve
Nerve kam für mich überraschend. Im Vorfeld hatte ich nicht viel über den Film gehört, fand aber das Filmposter schick. Der Film beweist, dass man ein aktuelles Thema wie soziale Netzwerke in eine durchdachte Geschichte verpacken kann. Dabei fand ich besonders Emma Roberts überzeugend und im Zusammenspiel mit Dave Franco sehr sympathisch. Wer mit dem Thema Social Media etwas anfangen kann, wird hier einen der stärksten Vertreter dieses Genres erleben.

4. Tallulah
In Tallulah entführt Ellen Page ein Baby und beginnt Muttergefühle zu dem Kind aufzubauen. Sie bemerkt, dass ihr rastloses Leben sie nicht wirklich erfüllt. Dabei besticht der Film mit witzigen aber auch emotionalen Momenten. Ellen Page spielt die liebevolle Ersatzmutter überzeugend und man fiebert mit ihrer Figur mit. Eine der wohl besten Netflix-Filme.

5. 10 Cloverfield Lane
Cloverfield kam 2008 mit einer etwas anderen Godzilla-Geschichte und einer besonderen Kameraführung gut beim Publikum an. Deshalb dachte sich wohl das Filmstudio, dass der Name wieder einige Leute in das Kino locken würde. 10 Cloverfield Lane hat aber nicht viel mit seinem Namensvetter zu tun, was aber nichtzwangsläufig negativ ist. Die Geschichte beginnt spannend und mysteriös. Der Zuschauer rätselt während der Handlung mehrmals, ob die Geschehnisse im Film real oder fiktiv sind. Das Ende stellt dann einen Bruch dar, der die Handlung in eine andere Richtung führt. Mir gefiel der Schluss dennoch und ich freue mich schon auf den dritten Film in diesem Universum, der 2017 erscheint.

Svens Top 5

1. La La Land
Zum zweiten Mal in Folge stammt mein Film des Jahres von Damien Chazelle. Als Randnotiz kann man anmerken, dass der junge Mann aus Rhode Island erst zwei Langfilme gedreht hat. La La Land ist der Grund, warum ich das Kino liebe, warum das Medium Film so faszinierend ist. Der Film ist mehr als eine bloße Reminiszenz an die großen Musicals der Studioära. La La Land ist auf so viele Arten romantisch. Die Bilder und die Inszenierung sind wunderschön und der Film hat so unglaublich viel Herz. Die Lieder und Tanzeinlagen sind großartig, Emma Stone strahlt richtig.
Auf jeden Abgesang, der auf das Kino verfasst wurde, würde Chazelle wohl antworten: „Well, not on my watch.“

2. Toni Erdmann
It’s true. All of it. Toni Erdmann ist der beste deutsche Film der letzten Jahre.
In der tiefgründigen Tragikkomödie bleibt einem das Lachen im Halse stecken, wenn Peter Simonischek seine Verwandlung in die titelgebende Figur vollzieht und Sandra Hüller dem Zuschauer aus vollem Leib die „Greatest Love of All“ präsentiert. Die Kameraführung ist so konsequent und interessant, die gleiche Konsequenz hat man beim Einsatz der Musik. Die Dialoge sind voller Charme und Witz, nicht jedes Thema wird offen angesprochen und für den Zuschauer auserzählt. Maren Ades Werk ist die Speerspitze des deutschen Films.

3. Arrival
Arrival ist ein guter Science-Fiction-Film, der von einer exzellenten Amy Adams getragen wird. Handwerklich kann man Denis Villeneuve nichts vorwerfen, Arrival ist ein attraktiver Film. Auf der narrativen Ebene bekommt man eine nachvollziehbare Inszenierung der wissenschaftlichen Vorgänge, ebenso überzeugend ist der Aufbau und der Erzählstil. Jeder kleine persönliche Konflikt, den Louise erlebt, ist spannender als der globale Konflikt auf der Erde. Am Ende hat der Film es dann geschafft, mich wirklich tief zu berühren. Die emotionale Bindung an Louise funktioniert. Eine Wissenschaftlerin, die im Alleingang die Welt retten muss – das ist die Art von Übermensch, die das Kino wirklich braucht.

4. Son of Saul
Son of Saul ist ein sehr unangenehmer Film und war für mich eine einzigartige Kinoerfahrung. Er tut weh, er schockiert. Man sieht den Vorraum einer Gaskammer, den Arbeitsalltag in einem Schlachthaus für Menschen. Das Bildformat, der Einsatz der Schärfentiefe und die Fokussierung auf die Hauptfigur erhöhen die Intensität des Films ungemein. Die Art wie Géza Röhrig Saul spielt, ist genauso erschreckend, wie der Film selbst. Ein lebender Toter, der nach ein paar Monaten in Auschwitz zu keiner Emotion mehr fähig ist. László Nemes Werk über den Holocaust ist so wichtig und künstlerisch beeindruckend umgesetzt. Ein unglaubliches Erstwerk.

5. Macbeth
Justin Kurzels Adaption von Shakespeares Theaterstück ist ein bildgewaltiger Kriegsfilm. Die Landschaftsaufnahmen sind wunderschön und beeindruckend. Michael Fassbender und Marion Cotillard spielen brillant. Während Cotillard die Fäden zieht, kann man beobachten, wie Fassbender in seinem körperlichen Schauspiel langsam zerfällt. Ich wüsste nicht, wie man ein klassisches Theaterstück heutzutage besser auf die Leinwand umsetzen sollte. All hail, Macbeth!

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Filmjahr 2016 – Rückblick – Svens Top 15

Ein Mitglied der Quadrataugenrunde guckt ein paar mehr Filme als das andere und ist am Ende des Jahres nicht genug ausgelastet. Bevor wir also zu unseren persönlichen Top 5 des Filmjahres kommen, nennt Sven noch zehn weitere Filme, die ihm besonders am Herzen liegen. Zwar orientieren wir uns für den Rückblick zeitlich sonst an den deutschen Kinostarts, wollen Festivalbesuche aber nicht ausschließen.

Svens Top 15

6. Vor der Morgenröte
Vier Auszüge aus Stefan Zweigs Leben geben einen Einblick, was der Verlust der Heimat mit einem Menschen macht. Josef Hader brilliert in der Rolle des Schriftstellers. Visuell stechen vor allem die zwei langen Plansequenzen heraus. Es gab einige Szenen, in denen mich der Film sehr berührt hat. Und dass, obwohl Maria Schraders Film ähnlich zurückhaltend ist wie Zweig selbst. Die aktuelle politische Lage verleiht der Geschichte eine Gegenwärtigkeit. Adieu l’Europe.

7. The Hateful Eight
Samuel L. Jackson verdient ein Extralob für seine Performance in Quentin Tarantinos Kammernspiel. The Hateful Eight ist ein hochinteressanter Film, der einen noch lange nach dem Abspann beschäftigt. Nicht nur inhaltlich, sondern auch in Form von Ennio Morricones außergewöhnlichem Score. Dass ich die Roadshowversion nicht sehen konnte, ärgert mich immer noch.

8. Mustang
Lale, Nur, Ece, Selma und Sonay sind mein Lieblings-Superheldinnenteam des Kinojahres. Die überzeugende Darstellung von Freiheit und Lebensfreude in Deniz Gamze Ergüvens Werk sorgt dafür, dass einem die fünf Schwestern schnell ans Herz wachsen. Um so schockierender wirken dadurch die folgenden dramatischen Ereignisse. Zur Darstellung des klassischen Konflikts werden ganz bewusst Antagonisten geschaffen. Empathie und Kompromissbereitschaft findet man nur bei den Protagonisten. Die Auswahl der fünf sehr guten Jugenddarstellerinnen ist ein Glücksfall. Mustang ist ein wunderschöner Film mit ganz viel Herz.

9. Neruda
Pablo Larraín hatte wohl kein Interesse an einer weiteren normalen Filmbiografie. Das Leben des Dichters Pablo Neruda verwandelt sich hier in eine Kriminalgeschichte, in der die Grenzen zwischen Fiktion und Realität ganz bewusst verschwinden. Die wunderschönen Landschaften, der orchestrale Score, Neruda selbst – alles ist überlebensgroß. Neben dem Einsatz des Lichtes und der Kamera überzeugen auch kleine Tricks wie die deutlich sichtbaren Rückprojektionen im Film.

10. Trumbo
Bryan Cranston ist Dalton Trumbo! Hollywoodfilme, die ganz selbstreferenziell über sich selbst erzählen, sind mein Schwachpunkt. Die Geschichte des Drehbuchautors hat mich wirklich gepackt. Ich fand den Film witzig, interessant und auch emotional. Die Darstellung des Kalten Krieges ist gelungener als in Bridge of Spies. Cranston spielt exzellent. Mit Helen Mirren, Elle Fanning, Louis C.K., Diane Lane und John Goodman ist der gesamte Cast hochwertig besetzt. Neben der klassischen Inszenierung leidet der Film ebenfalls unter seinem Spannungsbogen und anderen Biopic-Klischees.

11. The Big Short
Die beste Möglichkeit, um dem Zuschauer zu erläutern, was Credit Default Swaps sind, ist natürlich Margot Robbie in einem Schaumbad. The Big Short ist furchtbar überladen, funktioniert dafür aber erstaunlich gut. Christian Bale überzeugt, wie gewohnt, in einem der drei Handlungsstränge und Steve Carell beweist zum zweiten Mal nach Foxcatcher, dass er ein sehr wandelbarer und guter Charakterdarsteller ist. Der Film ist witzig, unterhaltsam und sehr informativ. Außer man weiß schon etwas über die Immobilienblase in den USA und die folgende Weltwirtschaftskrise.

12. High-Rise
„Where are those happy days? They seem so hard to find.“
Tom Hiddlestone sendet ein SOS aus einem dystopischen Hochhaus. Die Musik von Clint Mansell ist der Wahnsinn. Dazu kommt noch das äußerst gelungene ABBA-Cover von Portishead und ein großartiges Sound Design. High-Rise ist Kapitalismuskritik in Form des lokalen Weltuntergangs, visuell überladen und mit jedem Element so konsequent umgesetzt. Parallel zum Verfall der Gesellschaft, zerfällt auch die Erzählstruktur des Films, bis nur noch Wahnsinn bleibt. Die Nebenrollen sind mit Jeremy Irons, Luke Evans und Elisabeth Moss sehr gut besetzt. Lauter surreale Figuren in einer realen Welt.

13. The Revenant – Der Rückkehrer
Er kriecht, er watschelt und er schwimmt. Er stöhnt für sich und er stöhnt für dich.
Alejandro González Iñárritus Tour de Force war ein Hit an den Kassen, die vielen Auszeichnungen zwangen das Publikum ins Kino. DiCaprio begibt sich in das Spezialgebiet von Tom Hardy, ein extrem körperliches Schauspiel mit jeder Menge Murmeln. Es steckt allerdings keine Botschaft hinter seinem Leiden, keine Moral in seiner Rache, keine Lektion, wie der seelische den körperlichen Schmerz überwindet. Aber die Bilder von Emmanuel Lubezki sind wirklich sehr, sehr schön.

14. The Neon Demon
Nicolas Winding Refn hat sich längst davon verabschiedet, Geschichten zu erzählen. Der Film ist inhaltlich leer. Man könnte sagen, er sei oberflächlich, aber eigentlich steckt gar keine Botschaft in diesem Werk. Elle Fanning brilliert in jeder Szene, der Film bietet ihr eine Charakterveränderung ohne nachvollziehbare Entwicklung. Aber die Sprünge sind egal, die inhaltliche Leere ist egal. Ich habe The Neon Demon wirklich genossen. Er hat mich nicht schockiert und verliert sich im letzten Akt, aber er ist audiovisuell fantastisch. Wenn man einen Film über Schönheit macht und der eigene Film dann so schön ist, hat man eigentlich alles erreicht.

15. Hell or High Water
Normalerweise ist Chris Pine sehr langweilig. An der Seite seines Filmbruders Ben Foster überzeugt er jedoch. Die beiden ungleichen Geschwister rauben zusammen Banken in Texas aus und werden dabei von Sheriff Jeff Bridges gejagt. Alle drei sind Männer der Gewalt. Im nicht mehr ganz so wilden Westen geht es allerdings nicht um Ruhm, sondern um den Klassenkampf. Es sind die Banken, die die Armen bestehlen. Hell or High Water bietet wunderschöne Bilder unterlegt von einem sehr guten Score und ist einer der besten Western der letzten Jahre.

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Auswärtsfahrt #8

Kann Tom Cruise schnell genug rennen um Jack Reacher 3: Willkommen bei den Reachers (Arbeitstitel) zu finanzieren? Ausserdem geht es um den chilenischen Dichter Pablo Neruda und Ewan McGregors Regiedebüt.

Jack Reacher 2: Kein Weg zurück (2016)
Tom Cruise gehört, genau wie der Mid-Budget-Film, zu einer aussterbenden Art in Hollywood: der eine Star, der die Zuschauer garantiert ins Kino lockt und einen ganzen Film trägt. Jack Reacher 2: Kein Weg zurück vereint beides. Bei der zweiten Romanadaption über Lee Childs Heldenfigur gab es einen Wechsel auf dem Regieposten. Edward Zwick (Last Samurai) ersetzt Christopher McQuarrie, der im letzten Jahr zusammen mit Cruise Mission: Impossible – Rogue Nation drehte.

Im letzten Jahrzehnt gab es für Tom Cruise kaum eine andere Rolle als den Superagenten, der in 120 Minuten die Vereinigten Staaten, wenn nicht sogar die Welt, retten muss. Dass hinter diesem Konzept eine gewisse Formel steckt, wird in Kein Weg zurück sehr deutlich. Jack Reacher bietet immer noch harte Nahkampfaction in heruntergekommenen Lagerhäusern, Diners und Motels. In gefährlichen Situationen hat Reacher stets einen humorvollen Spruch auf Lager. Ansonsten bekommt man allerdings einen sehr generischen Actionfilm. Es ist die bekannte Verschwörung mit dem gesichtslosen Bösewicht im Hintergrund. Egal, wie schnell Jack Reacher rennt, seine Gegner sind schon dort. Der Versuch des namenlosen Auftragskillers, das Katz- und Mausspiel auf eine persönliche Ebene zu bringen, scheitert ganz und gar.
Vollständige Kritik

Neruda (2016)
Zum zweiten Mal in Folge stammt Chiles Beitrag für die Oscarverleihung von Pablo Larraín. Nach seinem Drama El Club über vier chilenische Priester widmet sich sein neues Werk dem Nobelpreisträger Pablo Neruda. Aber anstatt einer blossen Nacherzählung eines ereignisreichen Lebens sucht Larraín mit der Stimme des Volkes die Seele seines Heimatlandes.

Unerwartet ist dabei bereits die Darstellung des Dichters selbst: Auf einer dekadenten Party sieht man Chiles Oberschicht, mit Masken und halb nackt. In der Mitte des Raums steht ein rundlicher Mann mit einer Halbglatze, Mitte 40, man möchte meinen eine unscheinbare Erscheinung. Doch die Menschen liegen ihm zur Füssen. Nicht nur die Frauen bewundern ihn. Eine Zugabe, nur noch ein Gedicht vom grossen Romantiker Pablo Neruda. Luis Gnecco, fast zehn Jahre älter als der damalige Neruda, gelingt im Film die Verwandlung in den sanftmütigen Charmeur.
Vollständige Kritik

American Pastoral: Das grosse Interview mit Ewan McGregor
Amerikanisches Idyll erzählt von einer Familie, deren heiles Weltbild, stellvertretend für die gesamten USA, ins Wanken gerät. Vietnam und die politischen Bewegungen der Sechzigerjahre rütteln ein ganzes Land wach und hinterfragen den amerikanischen Traum. Der schottische Hollywoodstar Ewan McGregor (Trainspotting, Star Wars) spielt dabei nicht nur die Rolle des Familienvaters, des „Schweden“, sondern übernimmt auch erstmals den Regieposten. Im Interview spricht er über die Herausforderungen der Regiearbeit und der Umsetzung von Philip Roths Bestellerroman sowie sein Verhältnis zu den USA.
Interview Teil 1 Interview Teil 2

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Quadrataugenrundenpodcast Folge 40

Make Podcasts Great Again! Euer ganz persönliches Suicide Squad erfindet sich in Folge 40 neu und spricht trotzdem über Netflix und Nic Cage. Passend zur aktuellen Weltpolitik haben wir uns mit Idiocracy eine Zukunftsversion angesehen, auf die wir keine 500 Jahre mehr warten müssen. Harry Potter Fans und JK Rowlings Brieftasche freuen sich über die News.

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Zeitangaben
0:00:00 – Intro
0:04:28 – Zuletzt gesehen (Hin und weg / Kubo – Der tapfere Samurai)
0:26:12 – News der Woche
0:45:45 – Still Movies (Léon – Der Profi)
0:57:44 – Idiocracy
1:13:23 – Kann das nicht jemand anders machen? (City of God / Dead Man)
1:31:10 – Demnächst im Kino

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Der Quadrataugenrundenpodcast – Die ersten 100 Jahre

Alle Folgen zum Nachhören gibt es in der Google Drive Wolke.
https://drive.google.com/drive/folders/0B_Vd9SxI22XXb2paY090Q0JiRHM

Alle Episoden ab Folge 39 gibt es ebenso bei iTunes.
https://itunes.apple.com/de/podcast/die-quadrataugenrunde-podcast/id1179828069

Oder die aktuellen Folgen bei soundcloud.

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Auswärtsfahrt #7

Weitere Kritiken vom Zurich Film Festival 2016. Über die Liebe in Zeiten der Krise, eine surreale Reise und eine romantische Nacht in Porto.

Worlds Apart – Enas Allos Kosmos (2015)
Worlds Apart ist der zweite Spielfilm des griechischen Regisseurs Christoforos Papakaliatis. Neben Regie und Drehbuch übernimmt er auch noch selbst eine der Rollen. Es ist ein Drama, das die Probleme in seinem Land zeigt und zugleich einen Grund zur Hoffnung gibt; eher ein Anfang als eine Lösung der Krise.

In einer Episode bekommt eine Figur ein Buch geschenkt, das den Titel „Second Chance“ trägt. Es ist nur ein Beispiel dafür, wie überdeutlich der Film seine Geschichte erzählt. Gleichzeitig spielt er auch mit Vorurteilen und Klischees. Natürlich wird der Deutsche in Athen auf den Zweiten Weltkrieg und Reparationsforderungen angesprochen – nur um dann darauf hinzuweisen, dass die Welt nicht schwarz oder weiss ist und nicht jede Angst begründet.
Vollständige Kritik

Le Voyageur (2016)
Die Kurzfilme von Regisseur und Drehbuchautor Timo von Gunten haben bereits einige Festivalpreise abgeräumt. Le Voyageur ist der erste Langfilm des Zürchers. Die Geschichte über die Rückkehr der Voyager-Sonde ist nicht neu, schon 1979 griff Star Trek die Thematik auf. Aber sie ist in jedem Fall interessant, denn die «Golden Record» wurde eigens für den Fall der Kontaktaufnahme entworfen. Von Gunten nutzt dieses übernatürliche Ereignis aber nicht für eine reine Science-Fiction-Story, die Beziehung zwischen Vater und Tochter steht klar im Vordergrund.

Die Geschichte beginnt mit Virginies surrealem Traum. Erinnerungen verschmelzen mit Ängsten, begleitet von einer unruhigen Kameraführung, schnellen Schnitten und lauten Geräuschen. Musik spielt eine wichtige Rolle im Film, Virginies Vater ist vom Beruf Dirigent. Schon Stanley Kubrick schaffte eine Verbindung zwischen klassischer Musik und dem Weltall. Ebenso ziehen sich die surrealen Elemente durch den Film. Später gibt es eine Szene, in der sich Lippen bewegen, ohne einen Ton von sich zu geben. Mehrfach wird eine gespenstische Atmosphäre erzeugt.
Vollständige Kritik

Porto (2016)
Wenn ein Schauspieler stirbt, dauert es zum Teil Jahre, bis er komplett aus dem Kino verschwunden ist. In dieser Zeit wird wohl jeder Film mit ihm oder ihr damit beworben, dass es sich um «den letzten Film» handelt. Ein Abschied von der Leinwand auf Raten. In dem Spielfilmdebüt des aus Brasilien stammenden Regisseurs Gabe Klinger nimmt man Abschied vom grossartigen und talentierten Anton Yelchin.

Die Geschichte ist in drei Akte unterteilt, die zum Teil Szenen wiederholen und ergänzen. Nachdem die Geschichte erst aus dem Blickwinkel von Jack und dann von Lucie gezeigt wird, steht im langen finalen Akt die gemeinsame Beziehung im Vordergrund. So setzt sich zwar das gesamte Liebesverhältnis wie ein Puzzle langsam zusammen, durch die Zeitsprünge bleibt es aber eine komplexe Erzählstruktur.
Vollständige Kritik

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Quadrataugenrundenpodcast Folge 39

Was ist erschreckender als Leute, die im Kino die Leinwand abfotografieren? Leute, die im Kino telefonieren! Richtig gruselig wird es auch mit Suicide Squad und News aus dem DC Extended Universe. Wie schnell Tom Hanks rennen kann, wo Abfall hingehört und warum Sebastian Road Movies liebt, erfahrt ihr in der 39. Folge des Quadrataugenrundenpodcasts. Inklusive Scary Nic Cage und den großen fünf Horrorfilmen. Grusel Wusel?

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Zeitangaben
0:00:00 – Intro
0:02:51 – Zurich Film Festival 2016
0:34:30 – Zuletzt gesehen (Midnight Special / Inferno / Spuren – Lass alles hinter dir / Suicide Squad / 10 Cloverfield Lane / American Honey)
1:14:27 – News der Woche
1:40:18 – Still Movies (The Rock – Fels der Entscheidung)
1:51:53 – Die großen Fünf (Horrorfilme)
2:04:13 – Kann das nicht jemand anders machen? (The Double / Wer ist Hanna?)
2:19:34 – Demnächst im Kino

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Fünf Jahre Quadrataugenrunde – Die besten zehn Filme (1-5)

Wir feiern unser fünfjähriges Bestehen und blicken dabei zurück auf die filmischen Highlights der letzten Jahre. Jeder der beiden Quadrataugen nennt seine persönlichen Top 10 aus Filmen, die zwischen dem 6.10.2011 und dem 29.09.2016 ihren deutschen Kinostart hatten. Nun folgen Platz 5 bis 1.

Svens Top 10

1. Her (2013) – R: Spike Jonze
A Spike Jonze Love Story.
Wenn die künstliche Intelligenz dem Menschen gefühlvoll erklären muss, dass das Herz keine Box ist, die man füllen kann, sondern das es größer wird, je mehr man liebt, dann hat man eine glaubhafte und intime Beziehung erschaffen.
Spike Jonze inszeniert in Her eine durchstilisierte Welt voller Einsamkeit. Es ist ein Drama, ein Liebesfilm, Science-Fiction, ein Blick in die Zukunft. Scarlett Johansson beeindruckt nur mit ihrer Stimme fast so sehr wie Joaquín Phoenix in der Hauptrolle.

2. Mad Max: Fury Road (2015) – R: George Miller
Mit einer kleinen Träne im Auge, erinnern sich Filmfans an das Jahr 2015. Als George Miller aus der Wüste zurückkehrte und mit seinem ersten Realfilm seit 1998 das Blockbusterkino rettete.
Es ist eine Welt aus Feuer und Asche, der blanke Wahnsinn mit V8-Motoren, ein postapokalyptisches Farbenspiel. Kamera, Schnitt, Artdesign, Musik und die beiden Hauptdarsteller Tom Hardy und Charlize Theron machen Fury Road zu einem audiovisuellen Meisterwerk und einer Bereicherung für das moderne Actionkino.

3. Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit) (2014) – R: Alejandro González Iñárritu
„My heart is broken. It’s turned to a piece of stone. I’m no good. That’s what’s as bad as anything, that I’m no good anymore.“
Birdman ist bei Weitem mein Lieblingsfilm von Iñárritu. Ein Drama in einer Komödie und eine Realsatire auf all die Superheldenfilme im Kino. Michael Keaton, mein Batman, der es am Broadway noch einmal wissen will. Allen Gegner ins Gesicht schreit, dass ihn dieses Stück von Raymond Carver alles kostet und es am Ende auch beweist. Eine einzigartige Inszenierung, ein gutes Drehbuch und ein fantastischer Cast bestehend aus Edward Norton, Naomi Watts und Emma Stone machen Birdman sehenswert, unterhaltsam und liebenswert.

4. The Wolf of Wall Street (2013) – R: Martin Scorsese
Eine dreistündige Komödie, in der Jonah Hill seinen Penis entblößt und Leonardo DiCaprio unter starkem Drogeneinfluss eine Treppe hinunterkriecht, ist einer der besten Scorsese-Filme. DiCaprios Performance als der sympathische Gangster Jordan Belfort ist außergewöhnlich, die Dialoge von Terence Winter absurd komisch und die gekonnte Inszenierung hält das Tempo ständig extrem hoch. Ein Film, der genauso ungezügelt ist wie der amerikanische Kapitalismus.

5. Son of Saul (2015) – R: László Nemes
Warum dreht man 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges einen Film über den Holocaust? Vielleicht weil nicht jeder an der Erinnerung und der Aufarbeitung interessiert ist. Der Grundsatz der Überlebenden und der Deutschen „Wir dürfen nicht vergessen“ ist keine Selbstverständlichkeit. Son of Saul ist ein sehr unangenehmer Film. Er tut weh, er schockiert. Man sieht den Vorraum einer Gaskammer, den Arbeitsalltag in einem Schlachthaus für Menschen.
Das Bildformat, der Einsatz der Schärfentiefe und die Fokussierung auf die Hauptfigur erhöhen die Intensität des Films ungemein. Son of Saul war für mich eine einzigartige Kinoerfahrung. Die Art wie Géza Röhrig Saul gespielt hat, war genauso erschreckend, wie der Film selbst. Ein lebender Toter, der nach ein paar Monaten in Auschwitz zu keiner Emotion mehr fähig ist. László Nemes Film über den Holocaust ist so wichtig und künstlerisch beeindruckend umgesetzt. Ein unglaubliches Erstwerk.

Sebastians Top 10

1. Ziemlich beste Freunde (2012) – R: Olivier Nakache & Éric Toledano
Der Umgang mit behinderten Menschen ist oft falsch. Sie wollen nicht Besonderes sein. Sie wollen einfach nur als Mensch behandelt werden. Diese Thematik hat der französische Film Ziemlich beste Freunde aufgegriffen und in eine der sympathischsten Komödien verwandelt, die es je gegeben hat. Ich mochte den oft schwarzen Humor und die Grundthematik. Die schauspielerische Leistung beider Hauptdarsteller ist großartig und so erhält man sofort eine Bindung zu beiden. Es wird schwer werden, diese Komödie jemals zu überbieten.

2. Ich und Earl und das Mädchen (2015) – R: Alfonso Gomez-Rejon
Ich und Earl und das Mädchen ist einer der emotionalsten Filme, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. Natürlich hat man die ganze Thematik schon irgendwo, irgendwie gesehen. Allerdings schafft es der Film mit seinem tollen Cast mit dem Thema sympathisch und liebevoll umzugehen, sodass man am Ende zwar berührt ist, aber den Film dennoch mag und sich freut, diesen Weg mitgegangen zu sein.

3. Alles steht Kopf (2015) – R: Pete Docter & Ronaldo del Carmen
Alles steht Kopf birgt ein Wechselbad der Gefühle. Humor, Gefühl, Anspruch, Melancholie, Traurigkeit oder auch Spaß. Kein anderer Film ging bis jetzt so genial mit der Thematik des Erwachsenwerdens um, wie dieses Pixar-Werk. Aus der Feder von Pete Doctor ist hier einer der besten Animationsfilme entstanden und sollte von Jung und Alt mindestens einmal gesehen werden.

4. The Wolf of Wall Street (2013) – R: Martin Scorsese
Mit The Wolf of Wall Street hat Martin Scorsese eines seiner besten Werke erschaffen. Der Film besticht durch seinen schwarzen Humor und alles erinnert ein wenig an einen Partyfilm. Dabei überzeugt er dennoch durch eine sehr gute Geschichte und mit einem brillierenden Leonardo DiCaprio, der hier wahrscheinlich seine beste schauspielerische Leistung abliefert.

5. Mad Max: Fury Road (2015) – R: George Miller
Mad Max: Fury Road konnte 2015 unsere begehrte Auszeichnung, den Quadrataugenrunden Gravity Award, für sich gewinnen. Und das auch zurecht, denn George Miller hat einen rasanten Actionfilm im Stile der früheren Teile erschaffen, der in einer verrückten apokalyptischen Welt spielt. Dabei besticht der Film durch eine tolle Optik und einem satten Sound.

Weitere Artikel zu Fünf Jahre Quadrataugenrunde:
Fünf Jahre Quadrataugenrunde – Die besten zehn Filme (6-10)
Quadrataugenrundenpodcast Spezialfolge 4

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Quadrataugenrundenpodcast Spezialfolge 4

Wir feiern unser fünfjähriges Bestehen und blicken dabei zurück auf die filmischen Highlights der letzten Jahre. Im Podcast sprechen wir nicht nur über persönlichen Top 10, sondern reden auch über längst vergangene Kritiken. Außerdem küren wir die großen Fünf „Die großen Fünf“. Ganz schön selbstreferenziell.

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Weitere Artikel zu Fünf Jahre Quadrataugenrunde:
Fünf Jahre Quadrataugenrunde – Die besten zehn Filme (6-10)
Fünf Jahre Quadrataugenrunde – Die besten zehn Filme (1-5)

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Auswärtsfahrt #6

Noch mehr Kritiken vom Zurich Film Festival 2016. Dieses Mal mit Werner Herzogs Thriller über eine Salzwüste, einem französischen Drama über Identität und Verlust sowie die gelungene Dokumentation über den Fotografen Robert Mapplethorpe.

Salt and Fire (2016)
Die stetig steigende Anzahl von Menschen auf der Erde führt zwangsweise zu ökologischen Katastrophen. Wenn man zu viel Wasser aus einem Fluss abzweigt, vertrocknet am Ende der See und es entsteht eine Salzwüste. Die Ausbreitung der Wüsten zerstört bestehende Ökosysteme und schadet auch den Menschen, wirtschaftlich und gesundheitlich.

Salt and Fire spielt in einer Salzwüste in Bolivien; die Salar de Uyuni ist über 10.000 Quadratkilometer gross. Im Gegensatz zum vorhandenen Desaster steht der Supervulkan Uturuncu als kommende Katastrophe. Im Falle einer Eruption würde er die gesamte Atmosphäre verdunkeln und das Leben auf der Erde in seiner jetzigen Form beenden. Zwischen diesen beiden Untergangsmöglichkeiten erzählt Werner Herzog eine Geschichte über Menschlichkeit. Dass er dabei nicht unbedingt konsequent vorgeht, zeigen Anspielungen auf Aliens und Nostradamus sowie schlechte Witze über Durchfall.
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L’âme du tigre (2016)
L’âme du tigre ist der erste Langfilm von Regisseur François Yang. Bereits seine vorherigen Werke befassten sich mit multikulturellen Themen. Wie seine Hauptfigur ist auch er chinesischer Abstammung und im frankofonen Teil Europas aufgewachsen.

Es ist erstaunlich, wie Yang es schafft, die Handlung so konsequent im chinesischen Viertel von Paris zu inszenieren, dass man fast vergisst, dass man sich in der Stadt der Liebe befindet. Zu den vielen klassischen Schauplätzen, wie etwa einem Tempel, erklingen oft die vertrauten chinesischen Melodien. Es ist aber nicht Alex‘ Kultur, die hier gezeigt wird. Er selbst spricht, wie seine französischstämmige Mutter, kein Chinesisch. Dadurch ist er bei seinen vielen Fragen stets auf einen Übersetzer angewiesen, was die Suche nach der Wahrheit zusätzlich erschwert. Die Kultur seine Vorfahren wirkt wenig vertraut auf Alex und so wird die Aufarbeitung der eigenen Familiengeschichte auch zu einer Lehrstunde für ihn und die Zuschauer.
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Mapplethorpe: Look at the Pictures (2016)
Robert Mapplethorpe war besessen von Schönheit. Sex war für ihn derselbe ekstatische Zustand wie hinter der Kamera zu stehen: Eine Minute, in der er vergass, wer er war, sogar dass er ein Mensch war, dass er überhaupt existierte. Es ist also wenig verwunderlich, dass ein grosser Teil seiner Arbeiten eng verbunden mit der Sexualität war. In seinem Leben stand jeder neue Partner auch für einen neuen Abschnitt seiner Karriere. Von Patti Smith über Sam Wagstaff bis James Nelson.

Look at the Pictures zeigt verständlicherweise jede Menge Fotos, zu denen es allerdings immer das passende Interview oder die korrekte Einordnung gibt. Natürlich sind die Blumenbilder schön anzusehen, faszinierend wird es aber erst bei den vielen Aktbildern. Muskulöse nackte Männer, Ganzkörperanzüge aus der BDSM-Szene oder Mapplethorpe selbst, der seinen Hintern und eine Peitsche in die Kamera streckt. Vor allem von männlichen Geschlechtsteilen gibt es reichlich zu sehen.
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